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Valéria Piassa Polizzi

Ich lebe weiter

Buchbesprechung von Karoline Knauer

Inhaltsangabe

Der Roman "Ich lebe weiter" wurde 1994 von Valéria Piassa Polizzi verfasst und 1998 erstmals in Brasilien herausgegeben.

Ich lebe weiterAuf einer Schifffahrt nach Argentinien lernt Valéria, von ihren Freunden auch Val genannt, einen gut aussehenden Jungen kennen. Innerhalb kürzester Zeit verliebt sich Val Hals über Kopf in ihn. Bereits einigen Monate später wird aus der Jugendliebe eine wesentlich reifere Beziehung, bald wird ganz ungeniert über das neue Thema Sex gesprochen und schließlich schläft Val mit ihm. In der Folge aber verändert sich ihre Beziehung zum Negativen. Valérias Freund schreibt ihr vor, was sie zu tun hat, und Val muss immer mehr Schläge einstecken, auch droht er ihr mit dem Tod, falls sie jemandem von den Vorfällen erzählt. Ihre Eltern merken erst nach einem halben Jahr, was geschehen ist.

Seit dem 7. Lebensjahr hat Val nur noch einen Traum: die Schauspielerei. In den Ferien fährt sie nach Corumba zu einer Verwandten und lernt dort Leco kennen, mit dem sie lange sehr glücklich ist. Erst mit ihm kann sie die früheren Ereignisse zumindest zum Teil vergessen.

Da Valéria unter ständigen Magenschmerzen leidet, sucht sie während dieser Zeit mit Leco einen Arzt auf. Nach unzähligen Tests und Untersuchungen stellt dieser fest, dass Val HIV-positiv ist. Da der erste Sex, den sie hatte, mit ihrer Urlaubsbekanntschaft war, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich bei ihm infiziert hat sehr groß.

Nach dieser schockierenden Nachricht beschließt Val, ein halbes Jahr in San Diego/Kalifornien zu verbringen, um dort ihre Englischkenntnisse zu verbessern, und beendet aber vorher ihre Beziehung mit Leco, der keine Ahnung hat warum.

In der ersten Unterrichtsstunde fragt der Professor die Schüler nach den Zielen. Valérie antwortet nur: "Weiß nicht, was ich bin - um das herauszufinden, bin ich hier!" Ein Ziel von Val ist es, bis zum Jahresende einmal Schnee zu sehen. Dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits HIV-positiv ist, wissen nur ihre Eltern.

Val genießt die Zeit in Amerika sehr. Sie lernt viele neue Leute und fremde Kulturen kennen. Unter anderem lernt sie auch Lucas kennen, mit dem sie sich von Anfang an besonders gut versteht. Nach einem ständigem Auf und Ab ihres gesundheitlichen Zustandes möchte Dr. Gust, das ist der Arzt im Unigelände, dass sie eine Spezialistin aufsucht und beginnt, gewisse Medikamente einzunehmen. Doch Val bleibt, was die Medikamente betrifft, stur.

Nachdem sie den Englischkurs erfolgreich abgeschlossen hat, wohnt Val bei Helen, einer Professorin der Uni. Erst jetzt erzählt sie Helen und Lucas, dass sie an AIDS erkrankt ist. Beide stehen voll und ganz hinter ihr und helfen Val, so gut es geht.

Da sich Valérias gesundheitliche Verfassung laufend verschlechtert, kehrt sie im Jänner 1994 nach Brasilien zurück. Dort verschlimmern sich all ihre Beschwerden und es kommt zu einigen Krankenhausaufenthalten. Erst jetzt beschließt sie, Medikamente zu nehmen. Durch die Einnahme des Medikamentes AZT, eine Umstellung der Ernährung und tägliche Gymnastik verbesserte sich ihr Zusand. Fünf Jahre nachdem Val erfahren hat, dass sie HIV-positiv ist, erzählt sie es ihren brasilianischen Freunden, die bis zu diesem Zeitpunkt nur Witze über dieses schwierige Thema verbreiteten. Sie wussten einfach nicht, dass jeder Aids bekommen kann, auch einer von ihnen.

Interpretation

Valéria Piassa Polizzi erfuhr mit 18 Jahren, dass sie HIV-positiv war. Diese Diagnose veränderte ihr Leben. Sie fragte sich immer öfter nach dem Sinn des Lebens, zweifelte immer öfter an ihrem Glauben und dachte auch schon an Selbstmord. Trotzdem hat sie es geschafft mit Aids zu leben und gab sich selber nie auf. Durch die Krankheit zieht sich Val immer mehr in sich selbst zurück, versucht aber dennoch, aus der Zeit, die ihr noch bleibt, das Beste zu machen und nicht zu viel der kostbaren Zeit mit sinnlosen Dingen zu vergeuden. Damit sich andere Menschen über das Risiko einer Aids-Erkrankung im Klaren sind, versucht Valéria, all ihren Freunden und Bekannten die Wichtigkeit der Verhütung näherzubringen.

Lucas kommt aus der französischen Schweiz und ist bereits verlobt. Val und er sind sich in vielen Sachen sehr ähnlich. Sie lieben die Natur, meditieren und haben eine ähnliche Denkweise. Er ist sehr humorvoll und scheint immer gut gelaunt zu sein. Val und Lucas können aber nicht nur zusammen lachen, sondern sich auch gut über viele ernste Themen unterhalten. Lucas wird im Laufe der Zeit eine der wichtigsten Personen für Valéria und es entwickeln sich Gefühle zwischen den beiden, jedoch sind sich beide bewusst, dass das nie etwas werden wird.

Ihre Eltern leben seit einigen Jahren getrennt. Val wohnt bei ihrem Vater, da sie mit ihm eine etwas bessere Beziehung hat als mit der Mutter. Sie versuchen Val so gut als möglich zu helfen. Das tun sie in erster Linie, indem sie ihr zeigen, wie gern sie ihre Tochter haben, und zweitens, indem sie ihr die Englischkurse finanzieren.

Aids ist nicht nur eine Krankheit von sogenannten "Randgruppen", sondern kann jeden betreffen. Diese Tatsache und dass man sich mit Kondomen gut dagegen schützen kann, sind einige der wichtigsten Aussagen, die die Autorin uns mit diesem Buch mitteilen möchte. Sie will, dass man, wenn man HIV-positiv ist, nicht gleich abgestempelt und mit Vorurteilen belastet, sondern akzeptiert werden soll. Und ich glaube, das Wesentliche ist, dass sie gelernt hat, mit Aids zu leben!

Es ist auch interessant zu sehen, wie sich die einzelnen Personen Valéria gegenüber verhalten. Aber Valéria hat in diesem Fall Glück gehabt und kann sich der Hilfe ihrer Familie und ihrer Freunde sicher sein.

Persönliche Stellungnahme

Das Buch "Ich lebe weiter" hat mich sehr beeindruckt. Es ist meiner Meinung nach nicht besonders anspruchsvoll geschrieben, aber mit so vielen Emotionen, dass ich mich richtig in die verschiedensten Situationen hineinversetzen konnte. Dass die Handlung des Buchs in der Gegenwart spielt und die Betroffene ca. in meinem Alter ist, macht den Roman noch interessanter.