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Auguste Lechner

Parzival

Buchbesprechung von Melanie Konzett

Inhalt

Diese Buch wurde ursprünglich von Wolfram von Eschenbach geschrieben und von Auguste Lechner nacherzählt. Die Geschichte spielt im Mittelalter.

WOLFRAM VON ESCHENBACHAls König Gandin von Anschouwe starb, erbte sein ältester Sohn Galoes, das Land, die Burgen und Städte, einfach alles. Sein zweitgeborener Sohn, Gahmuret, ging leer aus. Doch das bedrückte ihn nicht sehr, denn Gahmuret wollte sowieso die Welt kennenlernen. Er bekam ein paar Knappen, Ritter und Pferde, außerdem noch eine Rüstung, gekennzeichnet mit dem Wappen der Anschouwe, einem Anker.

Sie ritten durch die Wüste und kamen bald zum Kalifen. Gahmuret kämpfte für den Kalifen und gewann für ihn. Bald war Gahmuret so gefürchtet im Zweikampf, daß niemand mehr gegen ihn antreten wollte. Als sogar Räuber die Flucht vor ihm ergriffen, wurde es ihm zuviel und sie zogen weiter.

Sie wollten über den Ozean und bestiegen ein Schiff. Doch als sie noch keine paar Tage gesegelt waren, kam ein sehr starker Sturm auf und das Boot lief auf. Als sich die See wieder einigermaßen beruhigt hatte, erkundeten sie ihre Lage. Sie steckten zwischen zwei Klippen fest. Doch es war Land in Sicht. Gahmuret beschloß, an Land zu gehen. Dort befand sich eine Burg, die der Sarazenenkönigin Belakane gehörte. Die Ritter zogen sehr prunkvoll in die Burg ein und wurden dort festlich bewirtet. Belakane verliebte sich mit dem ersten Blick in Gahmuret, dem es aber auch nicht anders erging.

Gahmuret kämpfte für Belakane. Nach vielen Kämpfen hatte Gahmuret die Feinde in die Flucht geschlagen und vermählte sich mit Belakane. Sie bekamen ein Kind, das gefleckt war. Gahmuret hatte ein sehr ruheloses Herz. Ihn zog es bald wieder hinaus in die weite Welt. Einige Zeit nach seiner Abreise starb die Sarazenenkönigin aus Kummer um ihren Ehemann.

Unterdessen wollte Gahmuret seinen Bruder besuchen, doch der war anscheinend auf einem Turnier, bei dem der Sieger die Hand der Herzogin Herzeloide erhielt. Gahmuret ritt seinem Bruder nach und wurde von Herzogin Herzeloide freundlich begrüßt. Herzogin Herzeloide war so schön, daß Gahmuret sich unsterblich in sie verliebte.

Parzival Handlung

Er gewann das Turnier und heiratete Frau Herzeloide. Sie lebten einige Jahre glücklich miteinander. Doch plötzlich kamen Abgesandte des Kalifen, die Gahmuret um Hilfe gegen ihre Feinde baten. Gahmuret ließ sich überreden und ging wieder ins Morgenland. Dort hatte er sich jedoch vor langer Zeit einen Feind gemacht, der ihn nun endlich töten wollte. Dieser Feind, sein Name war Ipomidon, beauftragte einen Zauberer, ein Mittel zu finden, welches den Edelstein, der den Helm Gahmurets zierte, flüssig machen sollte. Der Zauber fand dieses Mittel und ein untreuer Gefolgsmann schüttete es über den großen Edelstein. Als Gahmuret und Ipomidon sich im Zweikampf gegenüberstanden, traf der Speer genau den Edelstein und tötete Gahmuret. Doch auch Ipomidon sollte nicht ungeschoren davonkommen. Durch den Eintritt des Speers in den Edelstein spritzte der flüssige Edelstein auf Ipomidon und vergiftete ihn.

Frau Herzeloide hörte vom Tod Gahmurets und schwor sich, daß ihr Sohn Parzival nichts von diesem Tod und diesem Unglück wissen sollte. Ihm sollte so ein Schicksal nicht widerfahren. Die beiden Reiche, die Frau Herzeloide besaß, wurden von Nachbarn belagert. Es war ja niemand mehr da, der ihnen das verbot. Auch das Reich von Gahmuret wurde unter den Nachbarn aufgeteilt.

Der Königin blieb nur noch ein Hof, der sich in einem tiefen Wald befand, auf den sie mit ihrem Sohn und einigen treuen Bediensteten zog. Königin Herzeloide zog ihren Sohn sehr liebevoll auf, doch sie erzählte ihm nie, daß es Ritter, den Tod, den Graal etc. gab, und verbot dies auch ihren Bediensteten. Parzival hatte eine sehr behütete Kindheit, zB wußte er nicht, wie man tötet, oder was Tod eigentlich bedeutet, bis er größer und älter wurde und sich selber Pfeil und Bogen basteln konnte. Bald zog er mit den Jägern in den Wald und jagte mit ihnen. Als er einmal alleine im Wald jagen war, begegneten ihm drei Ritter. Zuerst hielt er sie für Gott, weil ihre Rüstung so glänzte. Doch die Ritter verhielten sich ganz und gar nicht so, wie seine Mutter Gottes Verhalten beschrieben hatte.

Die Erscheinung der Ritter verzauberte ihn so, daß er unbedingt auch ein Ritter werden wollte. Seine Mutter hielt ihn zurück und sagte, sie wolle ihm noch ein Kleid nähen für die "andere Welt". Sie hatte sich einen Plan ausgedacht, wie sie Parzival so schnell wie möglich zurückholen konnte. Sie nähte Parzival ein Narrenkostüm. Sie dachte sich, wenn er immer ausgelacht und verspottet wird, gefällt es ihm dort draußen sicher nicht.

Also zog Parzival nach einiger Zeit, bekleidet mit einem Jutesack verziert mit Federn, auf einem alten Klepper reitend hinaus in die Welt. Er wußte nur eins: Er mußte zu König Artus kommen, der ihn zum Ritter machen würde. Also machte er sich auf den Weg. Als er nach langer Reise bei der Burg ankam, begegnete ihm am Eingang der Rote Ritter. Dem Roten Ritter gefiel Parzival und er stellte ihn gleich für einen Botengang ein. Parzival sollte zu König Artus gehen und ihm einen goldenen Becher zurückbringen, als Lohn sollte er sich etwas vom Roten Ritter wünschen dürfen.

Parzival kehrte, nach vollendetem Botengang, wieder zum roten Ritter zurück und wünschte sich von ihm seine Rüstung und sein Pferd. Der Rote Ritter wurde sehr böse und stieß Parzival um. Doch das ließ sich Parzival nicht gefallen, sogleich schoß er mit seinem Gabylot . Der Gabylot traf den Roten Ritter genau an der Stirn und er starb.

So kam Parzival zu seiner Rüstung. Nun war er ein Ritter, dachte er zumindest. Er ritt und ritt und bald brachte ihn das treue Pferd zu Gurnemanz. Dort wurde er gebadet und er konnte schlafen. Gurnemanz sollte fortan sein Lehrer sein. Gurnemanz brachte Parzival fast alles bei, was ein Ritter können muß. Das Fechten, das Kämpfen, die höfische Sitte etc., nur eines hatte er vergessen: denn so lange die Menschen nicht wissen, daß sie einander lieben müssen, helfen ihnen weder Weisheit noch Kraft oder feine Sitte.

Parzivals großes Abenteuer begann. Zuerst ritt er zu Königin Konduiramur. Er kämpfte für sie, denn ihre Burg war belagert von einem Heer, dessen Heerführer unbedingt die Königin zur Frau wollte. Er gewann alle Zweikämpfe und schlußendlich war die Burg wieder unbesetzt. Nach einiger Zeit nahm Parzival die Königin zu Frau. Sie waren sehr glücklich miteinander, aber bald mußte Parzival immer öfter an seine Mutter denken.

Er machte sich auf den Weg, um seine Mutter zu besuchen. Parzival wollte quer durch den Wald zu seiner Mutter reiten. Er kam zu einem See, wo viele Fischer so taten, als fischten sie. Auch ein Herr, König Amfortas, befand sich auf dem See, dieser ließ sich auf einem Bötchen herumfahren. Doch alle waren sehr traurig. Parzival fragte sie, ob er hier irgendwo eine Herberge finden würde. Sie beschrieben ihm den Weg zu einer Burg. Er machte sich auf und fand diese Burg auch bald. Doch irgendwie war alles ein bisschen anders - so geheimnisvoll. Er wurde sehr prunkvoll empfangen, frisch gebadet und bekam neue Kleidung. Zum Abendessen wurde er in einen Speisesaal gebracht, wo ihn jeder der anwesenden Ritter erwartungsvoll anblickte. Der Herr vom See saß am Ende der Tafel und sah sehr krank aus. Parzival setze sich auf einen Platz. Auf einmal öffnete sich eine Nebentür und eine verbeulte Rüstung und eine Lanze mit einer roten, wie von Blut verklebten Spitze wurden an Parzival vorbeigetragen. Parzival wüßte zu gern, was für eine Krankheit der König Amfortas hatte und was das für eine Rüstung war. Doch er fragte nicht, aus Stolz, man könnte ja sein Unwissen bemerken. Zu guter letzt holte das Mädchen einen Kelch, der leuchtete, wie es Parzival noch nie zuvor gesehen hatte. Parzival war wie gebannt von diesem Leuchten und konnte den Blick nicht abwenden. Doch er fragte immer noch nicht.

Nun hatten sich alle erwartungsvollen Blicke in traurige und zumeist auch böse Blicke verwandelt. Am nächsten Morgen erhielt er seine alten Kleider wieder zurück und wurde nicht gerade freundlich von der Burg verabschiedet.

So ritt er wieder in Richtung der Königin Herzeloide. Doch bald traf er auf eine Lichtung, wo eine Frau wohnte. Sie wachte neben einem Leichnam, der sich in einem gläsernen Sarg befand. Dies war ihr Verlobter. Sie lebte als Einsiedlerin und es stellte sich bald heraus, daß diese Frau Parzivals Cousine war. Sigune klärte nun Parzival endlich über den Gral und die Gralsburg, auf. Parziaval war aus der Familie des Gralskönigs. Seine Mutter war die Schwester von König Amfortas. Parzival hatte die Ehre, auf die Gralsburg geladen zu sein. Niemand, der vom Gral (der Kelch, der so leuchtete), nicht zu ihm befohlen wurde, konnte die Burg finden. Parzival hatte die einzigartige Chance, Gralskönig zu werden, aber leider hatte er sie verspielt, denn er hatte den König Amfortas nicht nach seinem Leiden gefragt.

Die Suche nach dem Gral wurde zu Parzivals Lebensaufgabe. Doch er konnte die Burg nicht mehr finden. Überall, wo er sich befand, sandte die Gralsburg, Monsalvat, Zeichen hin, um ihn an sie zu erinnern. So begegnetet ihm zB immer und überall das Wappen des Grals, die Taube.

Bald hatte er auch den Glauben an Gott verloren. Er zog am Karfreitag, in Rüstung und voller Bewaffnung, herum und traf auf Mönche, die ihm den Weg zum Mönch Tevrezent zeigten. Tevrezent sollte ihm sein Seelenheil wiedergeben. Als Parzival die Höhle fand, in der Tevrezent lebte, erzählte er ihm seine ganze Geschichte. Bald stellte sich heraus, daß der Mönch Parzivals Onkel war. Tevrezent konnte ihm noch weitere Geschichten über ihn, seine Familie, den Gral und König Amfortas erzählen. Zum Abschied gab Tevrezent Parzival seine alte Rüstung, die zwar nicht rot, aber aus glänzendem Silber war.

Parzival hatte seinen Glauben zu Gott wiedergefunden und neuen Lebensmut geschöpft. Auf der Suche nach dem Gral begegnete ihm die Hexe Kundri, die ihm mitteilte, daß die Prüfzeit des Grals zu Ende sei. Die Hexe Kundri war eine Abgesandte des Grals.

Parzival wußte kaum, wie ihm geschah. Sofort ritt Parzival los. Er war sich sicher, daß sein Pferd den Weg findet, denn es wurde ja vom Gral geleitet. Die Hexe Kundri hatte aber noch einen anderen Botengang für den Gral zu machen, sie mußte Königin Konduiramur, die Frau Parzivals, holen und in die Graalsburg führen.

Parzival gelangte zum Schloß und das erste, was er fragte, war: "Wie geht es dir, König Amfortas? Kann ich dir irgendwie helfen?" Und alle begann zu jubeln. Parzival hatte ehrliches Mitleid und ehrliche Nächstenliebe empfunden, er hatte endlich gelernt, daß der einzige wahre Grundsatz eines Ritters Liebe sein sollte. Endlich hatte er gelernt, was einen wahren Ritter ausmachte.

König Amfortas wurde wieder gesund. Die Nebentür öffnete sich und ein sehr alter Mann, Titurel der Ahnherr, kam heraus, er trug den Gral bei sich, der wiederum glänzte und leuchtete, aber diesmal war eine rote Schrift auf dem Gral zu sehen. "König Amfortas ist genesen, Parzival König zu Monsalvat," sagte die Schrift.

Das Glück hörte für Parzival aber noch nicht auf, denn die Tür flog auf und seine Frau und ihr Sohn Lohengrin standen vor ihm.

Nun war Parzival, der tumbe Tor, zum Gralskönig, der höchsten Auszeichnung im Mittelalter, geworden.


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Unterrichtsprojekt Parzival