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Fritz Mertens

Ich wollte Liebe und lernte hassen!

Buchbesprechung von Sabrina Burtscher

Textsorte: Authentischer Bericht, Entstehungszeit: Sommer 1983 - 1984

Inhaltsangabe

Fritz Mertens lebt mit seiner Familie in Villingen. Durch eine Wachstumserkrankung muss er über ein Jahr von Klinik zu Klinik gebracht werden, um die kranken Gelenke wieder verheilen zu lassen. Fritz' Mutter behauptet immer, dass er der Liebling des Vaters sei und hetzt diesen, so oft wie möglich, gegen Fritz auf. Der Junge wird oft vom betrunkenen Vater und von der eifersüchtigen Mutter geschlagen und beschimpft. Nachdem der Vater auch die Mutter fast niedergeschlagen hätte, zieht sie mit den Kindern heimlich in eine andere Wohnung. Doch nach einer Weile kehren sie wieder zu ihm zurück. Fritz und seine Geschwister bekommen immer häufiger eine Abreibung mit einer Reitpeitsche verpasst und die Mutter fängt auch an zu trinken, während die Kinder arbeiten müssen. Zweimal versucht Fritz sich umzubringen, aber es gelingt ihm nicht. Die Mutter hat einen heimlichen Geliebten, und als der Vater das herausfindet und sie brutal zusammenschlägt, verlässt sie die Familie für immer. Da sie das Alleinerziehungsrecht für die Kinder hat, kommen Fritz' Geschwister in ein Heim. Fritz darf zu Hause bleiben und beginnt auch zu trinken und Tabletten zu nehmen. Er fällt immer mehr in ein schwarzes Loch. Er schläft mit jedem Mädchen und trinkt Alkohol. Mit ca. 16 Jahren bringt er ein Mädchen und dessen Freund um, nachdem dieser das Mädchen und ihn zusammen im Bett erwischt.

Interpretation

Die Hauptperson in diesem Buch ist Fritz und die wichtigsten Nebenpersonen sind sein Vater, seine Mutter und seine Geschwister. Im Allgemeinen ist Fritz ein gut erzogener Junge, der ständig versucht, seinen Eltern alles recht zu machen. Er versorgt die Familie und kümmert sich um seine Geschwister. Er ist sozusagen das Hausmädchen und die Person, an der Vater und Mutter ihre Wut auslassen können. Und trotz der schlechten Behandlung durch die Familie liebt Fritz alle und glaubt, dass es richtig ist, was seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern machen. Da seine Brüder und seine Schwester jünger sind als er, werden sie nicht mit so harten Strafen belegt. Aber auch sie leiden unter der angespannten Situation, wegen Kleinigkeiten eine Tracht Prügel zu kassieren. Und das verbindet sie und lässt sie zusammenhalten. Während die Kinder unter den Eltern leiden, leidet die Mutter unter dem Vater, der ständig betrunken ist. Weil sie oft eine Abreibung von ihm bekommt, muss sie ihren Frust und ihre Wut an den schwachen und hilflosen Kindern auslassen. Obwohl der Vater ziemlich oft unter dem Einfluss des Alkohols steht, ist er, wenn er einmal nüchtern ist, recht nett zu seiner Familie und liebt seine Kinder, auch wenn er es nicht immer zeigt.

Meiner Meinung nach will uns der Autor mit diesem Buch zeigen, dass man mit Schlägen nicht weit kommt. Und es sind arme Menschen, die sich nur mit einer Tracht Prügel zu helfen wissen. Natürlich ist es bequemer, einfach gleich drauf zu hauen, aber Eltern sind die Vorbilder der Kinder und die meisten werden dann später auch so wie ihre Eltern sein. Vielleicht will uns der Autor auch zeigen, dass man durch sein Tun oft das Gegenteil bewirkt. Die Eltern von Fritz sind sehr streng zu ihm. Er darf nicht rauchen, trinken - obwohl sie es selber tun - oder sich mit einem Mädchen treffen. Man kann den anderen nicht verbieten, was man selber auch tut. Doch auch wenn man jemandem alles verbietet, findet derjenige immer einen Weg, das Verbotene zu tun, so auch Fritz. Die Eltern merken oft nicht, dass sie ihre Kinder mit zu vielen Regeln und Verboten gerade in die andere Richtung treiben. Kinder denken sich dann: "Jetzt erst recht!"

Dieses Buch wurde von einem Jugendlichen niedergeschrieben. Es umfasst den Zeitraum von seiner Kindheit bis zum Erwachsensein. Der Junge möchte vielleicht mit seiner Geschichte zeigen, dass es auch viele kaputte Familien gibt, in denen keine Liebe und Freude mehr herrscht. Viele klagen oft, wie schlecht und schwer sie es haben, aber diesem Jungen ist es noch viel schlimmer ergangen als vielen Kindern, die in einer normalen Familie mit den kleinen Streitereien und Meinungsverschiedenheiten aufgewachsen sind. Und er hat beschrieben, wie tapfer er alles ertragen und alle Gemeinheiten erduldet hat.

Persönliche Stellungnahme

Mir hat das Buch nicht gerade gut gefallen. Im mittleren Teil und gegen Ende hin ist es etwas spannender geworden, aber der Schluss war enttäuschend und auch der Anfang war langweilig. Erstens hat mir nicht gefallen, dass in dem halben Buch immer nur die gleichen Abläufe waren. Der Vater hat sich betrunken, dann die Mutter und anschließend die Kinder geschlagen und zum Schluss hat noch einmal die Mutter die Kinder verprügelt. Die meiste Zeit ging es wirklich nur ums Schlagen, Saufen und um die Aufhetzerei innerhalb der Familie. Mittendrin ist es dann etwas abwechslungsreicher geworden und ich war schon auf den Schluss gespannt. Doch dieser spannendste Teil der Geschichte wurde nur kurz geschildert. Am Anfang hieß es, dass Fritz später zwei Leute umgebracht hat, und das hat man schlussendlich nur so schnell dahingestellt. Ich hätte noch gerne gewusst, wie das genau abgelaufen ist, wie sich Fritz dabei gefühlt hat, was er gedacht hat und was seine genauen Beweggründe waren. Ich muss zugeben, wenn ich privat so ein Buch lesen würde, dann hätte ich es nach den ersten 30 Seiten schon zurückgegeben.