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E.W. Heine

Das Halsband der Taube

Buchbesprechung von Melanie Konzett

E.W. HeineDiese Buch spielt im Mittelalter. Adrian und Orlando sind 2 eineiige Zwillinge. Die beiden stammen aus gutem Haus und werden daher gut erzogen. Sie erlernen arabisch, die damalige Hofsprache, und werden in der Kunst des Tötens unterrichtet. Die Zwillinge sind sehr eng miteinander verbunden. Adrian, der Ältere, fühlt sich mit 18 zu Gott berufen und wird ein Templer. Orlando, der Adrian schon immer als Vorbild genommen hat, folgt ihm. Die Templer waren zur damaligen Zeit der reichste Orden und der mit dem größten Einfluß. Adrian wollte zu den Tempelrittern und Orlando wollte Schmied werden (Orlando war ein Pferdefanatiker). Adrian mußte zu einer wichtigen Mission aufbrechen. Orlando blieb im Orden.

Nach zwei Jahren wird Orlando zum obersten Templer gebracht. Der Großmeister der Templer erzählt ihm vom grausamen Mord an Herzog Kelheim. Der Herzog wollte gerade seinen morgendlichen Ausritt machen, als ihn ein Mann ansprach und um Anhörung bat. Er stieg vom Pferd ab und der Mann zog seinen Dolch und stach den Herzog nieder. Die Leibwächter des Herzogs stürzten sich auf den Mörder und zerhackten ihn. Und eben dieser Mann war Ardrian.

Orlando glaubt es erst gar nicht. Doch Templer bezeugen es, denn sie haben den aufgespießten Kopf am Stadttor, mit dem Brandmal der Templer am Nacken, gesehen. Man stellt sich die Frage, warum Adrian das getan hat, und dazu noch ohne einen Versuch zu flüchten. Die einzige Antwort auf diese Frage ist, daß er zu einem Assassinen geworden war. Assassinen sind Mitglieder eines islamischen Ordens, des gefürchtetsten dieser Zeit. Das Geheimnis der Assassinen liegt in ihrer Bereitschaft, sich für ihren Führer, den Alten vom Berge, zu opfern. Sie fürchten den Tod nicht.

Nun wird Adrians Zwillingsbruder Orlando vom Großmeister der Templer zu Paris beauftragt, die Hintergründe dieser Tat aufzudecken. Während der Reise spricht Orlando im Geist wiederholt mit Adrian. In einem Traum begegnete ihm das Wort Alamut, er weiß zuerst noch nicht, was das ist.

In Alexandria geht Orlando auf den Markt und sieht den Bruder des Kaisers, den Oberbefehlshaber des Heeres, beim Sklavenmarkt. Auf einmal stürzt ein Assassine aus der Menge und schreit: "Der Herr von Alamut schickt mich, koste vom Kelch meines Dolches!" Der Assassine will sich auf sein Opfer stürzen, als er Orlando erblickt und erstarrt, als sei er zu Tode erschrocken. Diese Schrecksekunde benötigt die Leibwache des Oberbefehlshabers und erschlägt den Assassinen.

Nun beginnt er seinen Weg nach Alamut (Sitz der Assassinen, befindet sich auf einer Hochebene, eine Festung, die man aufgrund ihrer Lage unmöglich einnehmen kann). Jeder, den er nach dem Weg fragt, kann es kaum glauben, daß Alamut sein Ziel ist, denn für sie bedeutet Alamut Tod. Es beginnt der schwerste Teil seiner Reise. Er muß über gefährliche Pässe und enge Schluchten. Alles ist öde, nur Geröll. Doch auf einmal sieht er vor sich ein fruchtbares Tal. Alles ist grün und blüht. An einem Bach wäscht er sich und schläft ein. Da wird er von Räubern angegriffen und es beginnt ein Kampf. Er besiegt beide, wird jedoch von einem Pfeil getroffen und bekommt Wundfieber. Mit letzter Kraft reitet er nach Alamut. Er bekommt Visionen und sieht immer nur Adrian.

Als man dem Alten vom Berge die Nachricht überbringt, daß Adrian zurückgekehrt ist, kann er es nicht glauben, und geht nachsehen. Er läßt sich vom Äußeren täuschen. Doch alle Zweifel sind nicht ausgeräumt, denn es gibt nur wenige Opferbereite, die zurückkehrten (Die Opferbereiten suchen den Tod, um ins Paradies zu kommen.). Man nimmt an, daß Chizuran, die Liebe in Adrians Leben - eine Frau aus dem Harem, der Grund für seine Rückkehr ist. Orlando befindet sich in einer gefährlichen Situation, alle kennen ihn, nur er weiß nichts über sie. Er überspielt sein Unwissen mit Müdigkeit und Kopfweh.

Orlando, der immer schon ein großer Pferdenarr gewesen war, begegnet bei den Stallungen einer Frau namens Sadja. Sie wird zu einer wichtigen Person. Sie hilft ihm, seine Identität als Adrian halbwegs aufrecht zu erhalten, denn sie hat als einzige erkannt, daß die Narben, die Adrian hatte, fehlen.

Für das Verständnis des weiteren Handlungsverlaufs bedarf es noch einer Bemerkung zur Denkweise der Assassinen. Die Sexualität hat einen hohen Rang. Sie halten absolut nichts von der Enthaltsamkeit. Die Seele wohnt nicht im Körper, sie ist der Körper. Und das kann man eben am besten bei einem Orgasmus spüren. Dabei meinen sie nicht die Liebe, sondern nur die Sexualität.

In den Tälern von Dailam
findet man im Frühling
tote Taubenvögel
so weiß wie der Schnee.
Es heißt sie töten
einander aus Liebe.
Um den Hals tragen sie
leuchtendrot
eine Kette von Blutstropfen
das Halsband der Taube.

Diese Erklärung erhält Orlando auch wieder von Sadja, die ihm sehr viel über die Liebe und vor allem über die Frau erzählt. Das Halsband ist ein anderer Name für das weibliche Geschlecht und die Taube ein anderer für das männliche Geschlecht. Sadja meint auch, daß es viel schöneres gibt als geliebt zu werden. Denn ihr Leitspruch ist: Die tiefste Liebe ist die Unbefriedigte (gestützt auf Sehnsucht). Ihre Definition von Liebe: Das Maß der Liebe ist, was man bereit ist, dafür aufzugeben.

Orlando findet noch eine weiter Botschaften Adrians in einem Buch. Wichtig darin ist: Finger vermögen zu sprechen; Haut vermag zu hören.

Der Alte vom Berg fragt Orlando: "Willst du sie wieder sehen?" Er meinte damit Chizuran. Orlando antwortete mit ja und schon in der nächsten Nacht begleitet ihn Hazim (ein Assassine, der ihm in den Monaten zum Freund wird) zum Paradies. Das Paradies ist ein himmlischer Garten der sexuellen Wonnen. Wer ins Paradies eingelassen wird, hat eine ständige Erektion. (Mythos!).

Am Eingang des Paradieses erwartet sie ein schwarzer Eunuch der ihm einen Becher mit einem berauschenden Inhalt überreicht (Haschisch). Diesen trinkt er und tritt ein. Alles kommt ihm so wunderbar, so traumhaft schön vor.

Chizuran sieht ihn und läuft ihm entgegen. Sie lieben sich in ihren Gemächern. Die Dienerin von Chizuran, ein kleines Mädchen, ist die Einzige im Garten außer dem Eunuchen, die sprechen kann. Dieses Mädchen wundert sich auch, warum er die Sprache der Stummen (über die Haut - Bewegungen, Streicheleinheiten) vergessen hat. Jetzt erkennt Orlando die Bedeutung der Worte: Hände können sprechen und Haut kann hören. Chizuran wirde Orlando zur Frau geschenkt und er darf immer in der Nacht in den Garten gehen. Sadja bekommz er immer seltener zu Gesicht. Er erlebt alle Künste der Liebe.

E.W. HeineDer Alte hat bald so großes Vertrauen zu ihm, daß er ihn als Nachfolger bestimmt. Er weiht ihn in das Geheimnis aller Geheimnisse ein: Es gibt keinen Gott. Für Orlando scheint das unvorstellbar und unglaubhaft. Der Alte erklärt ihm, daß Gott einfach nur eine Befriedigung des Wunsches der Menschen ist, einen Führer oder eine Erklärung für alles Unerklärliche zu haben. Auch Adrian spricht wieder zu ihm. Orlando sagt: "Jetzt weiß, ich warum du den Herzog von Kehlheim umgebracht hast. Du wolltest ein Assassine werden, denn nur so konntest du der Mann von Chizuran sein. Du hast sie geliebt, und jetzt liebe ich sie." Adrian: "Nein, du liebst sie nicht, du schläfst nur mit ihr." Und er hat Recht.

Eines Tages kommt Sadja zu ihm und zeigt ihm eine Brieftaube mit einem roten Bändlein um den Hals. Orlando erkennt das Zeichen. Die Templer wollen ihn warnen. Er flüchtet mit dem Vorwand, eine Reise der Besinnung in die Wüste zu machen. Als Chizuran hört, daß er nie wieder kommen wird, bringt sie sich und das Mädchen um.

Als er nach einer langen und beschwerlichen Reise in der Nähe von Paris ankommt, erkennt er alles. Wortbrüchig gegen Gott (es gibt keinen Gott), Orden und Gewissen (Mord am Herzog) wollte Adrian nicht weiter leben. Er mußte sterben. Und er mußte zurückkehren - wegen Chizuran, er hatte es ihr aus Liebe versprochen. Aber wie?

Dafür gab es nur eine Lösung: Orlando! Er mußte Adrians Versprechen einlösen. Er war von Anfang an Teil seines Planes. Als Orlando das Kloster erblickt, kommen ihm auch schon seine Glaubensbrüder entgegen. "Ich bin nicht mehr der, der ich war. Und dennoch bin ich mir selbst treu geblieben (er wurde kein Assassine). Das Heil liegt in der Treue."

Doch seine Glaubensbrüder erstechen ihn. Fallend verschmilzt er mit seinem andern ich. Sie sind wieder ein und derselbe wie am Anfang ihrer leiblichen Existenz, bevor die erste Teilung der mütterlichen Urzelle sie grausam getrennt hat. Eine Seele in zwei Körpern, zwei Wege zum gleichen Ziel. Es ist erreicht. Er hat sich gefunden.

Die Ordensbrüder bringen ihn um, weil der Alte ihnen einen Brief geschrieben hat, indem steht, das Orlando zu einem Assassinen geworden ist und einen von ihnen töten will. Der Alte vom Berg wußte, daß Orlando nicht Adrian war, weil ein Verräter der Templer ihm einen Brief geschrieben hatte und sie dann Sadja folterten.

Orlando hatte von Chizuran noch einen Brief von Adrian bekommen. Diesen hat er sich aber nie zu lesen getraut, und der Inhalt wird immer ein Geheimnis bleiben.

Noch zu sagen wäre: Adrians Aufgabe ganz am Anfang war nichts weiter als ein Test für die Assassinen. Die Templer sollten ihren besten Mann schicken, weil der Alte sagte, er könne auch ihn zu einem Assassinen machen, was ihm dann ja auch gelungen ist (durch die Liebe). Der Alte haßt die Templer, weil sie so überheblich sind.

Neben dieser Geschichte läuft auch noch eine andere in diesem Buch. Denn die Templer versuchten auch über einen anderen Mann, die Hintergründe des Mordes (Kehlheim) aufzudecken, aber diese Geschichte ist eher nebensächlich.

Harem: der Harem ist nichts weiter als aus Brettern zusammengenagelt, ohne Drogeneinfluss hat er nichts Besonderes, sondern eher etwas Ärmliches an sich. Der Alte stellt den Harem (Paradies) aber als den Harem Mohammeds dar.