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Paul Harding

Das Haus des roten Schlächters

London 1377. Das "finstere Mittelalter" geht langsam seinem Ende entgegen. In diesem diffusen Licht einer heraufdämmernden Zeit versucht der königliche Coroner, Sir John gemeinsam mit seinem Schreiber, dem scharfsinnen Ordensbruder Athelstan, eine Reihe mysteriöser Mordfälle aufzuklären.

In einem schwerbewachten Raum der doppelt gesicherten Nordbastion des Tower wird der Kommandant der Garnison mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Dorthin hatte er sich zurückgezogen, weil er, vorgewarnt durch ein geheimnisvolles Zeichen, ein Attentat auf sein Leben fürchtete. Dennoch kann er seinem angekündigten Schicksal nicht entgehen. Ebensowenig wie drei seiner ehemaligen Kampfgefährten, die innerhalb weniger Tage ähnlichen Mordanschlägen zum Opfer fallen. Auch sie hatten vorher die gleiche mysteriöse Drohung erhalten: die Zeichnung eines Schiffes und einen kleinen Sesamkuchen. Auf diese Weise pflegen die Assassinen in Palästina ihren Opfern den Tod anzukündigen. Eine verwickelte und geheimnisvolle Geschichte, in die Sir John und Athelstan da geraten sind ...

Tödliches Rätsel

Tödliches Rätsel stellt erneut das mittelalterlichen London vor, diesen brodelnden, düsteren, lebendigen Ort, in dem Leidenschaften aufeinander prallen, in dem gehurt und gesoffen, viel geliebt und bitterbös' gemeuchelt wird - Paul Harding, ein englischer Historiker, weiß immer, wovon er schreibt. Und er tut es so spannend und (wie sagt der Germanist?) atmosphärisch dicht, dass man viel von dem Zeug, das gemeinhin so als historischer Krimi daherkommt, glatt in die Ecke schmeißen kann. Auch in diesem Streich sind Hardings Helden, Sir John Cranston, Coroner des Königs, und Athelstan, sein Sekretär, aufgerufen, die dunklen Seiten des Menschen ans Licht zu zerren. Diesmal aber kommt es besonders schlimm - wollen Sie mal ein Blick riskieren?

»In der Mitte der Barke saß der Menschenfischer, die Kapuze zurückgeschlagen, und starrte mit lidlosen Augen über den Fluss. Er suchte nach Leichen. Er und die Seinen, die Ausgestoßenen von London, wurden von der Gemeinde nach einem festen Gebührensatz für jede Leiche bezahlt, die sie aus dem Wasser zogen - eine bestimmte Summe für einen Unfalltoten, eine andere für einen Selbstmörder. Den höchsten Preis erzielte natürlich ein Mordopfer. Der Menschenfischer, der sein gespenstisches, birnenförmiges Gesicht zum Schutz vor dem kalten Wind auf dem Fluss sorgfältig eingefettet hatte, gurrte ein Wiegenlied, während er das Wasser absuchte.
'Es wird Leichen geben', murmelte er. 'Schaut nur angestrengt und lange hin, meine Hübschen!'«

Ja, es wird Leichen geben. Doch welches Geheimnis verbindet sie? Bei jedem Toten, der aus der Themse gefischt wird, findet sich ein Stück Pergament mit einem Rätsel. Es gilt, dieses Rätsel zu lösen. Es gilt, einen Serienmörder zu fangen. Das ist schon schlimm genug. Doch es kommt schlimmer ...